Über die Bedeutung des Unterschieds von 1.1 und Ironie

(Dipl.-Ing. Andreas Groß, Klasse V-Auditor, im März 2002)

Ich stieß in dem lesenswerten Buch "Der Name der Rose" von Umberto Eco (Vorlage zu dem bekannten gleichnamigen Film, bei dtv als Taschenbuch Nr. 10551 für DEM 14,80) auf eine erhellende Ausführung über den Unterschied von versteckter Feindseligkeit und Ironie.

Der Held William von Baskerville mußte sich lange religiös-philosophische Abhandlungen des Abtes anhören, mit denen er weiß Gott nicht übereinstimmen konnte. Um nicht anzuecken, reagierte er wie folgt:

  • »Wahrlich, das ist die süßeste aller Theologien«, sagte William in vollendeter Demut, und mir schien, daß er dabei jene hinterhältige Denkfigur gebrauchte, die von den Rhetorikern Ironie genannt wird und die man stets nur gebrauchen sollte, nachdem man ihr die Pronuntiatio [Definition von Pronuntiatio aus dem Anhang des Buches: "Hervorhebung durch Tonfall beim Reden", Herkunft aus dem Latein-ischen: Pronuntiatio="äußerer Vortrag des Schauspielers"] voraus-geschickt hat, die ihr Signal und ihre Rechtfertigung darstellt. Was William so gut wie niemals tat, weshalb ihn der Abt, der mehr dem korrekten Gebrauch der Redefiguren zugeneigt war, nun wörtlich nahm und, immer noch entrückt in seiner mystischen Verzückung, anfügte: »Sie ist die kürzeste aller Straßen, die uns in Kontakt mit dem Höchsten bringen, die materielle Theophanie. «

    William hüstelte wohlerzogen und machte »Hm, äh... « So tat er es immer, wenn er auf ein neues Thema überleiten wollte, und er konnte das sehr elegant, denn er pflegte (wie es, glaube ich, typisch ist für die Menschen aus seiner Heimat). Zitiert von Seite 184 des dtv-Taschenbuches.

  • Der Erzähler des Buches, der Schüler von William, hat hier seine Probleme damit, dass sein Meister sich nicht an den "korrekten Gebrauch der Redefiguren" hält. Anstatt die Nichtübereinstimmung zumindest durch Ironie darzustellen, indem sie durch einen Tonfall als solche hervorhebt, sagt er einfach etwas anderes als er denkt. Man nennt das auch eine Lüge, vielleicht gerechtfertigt als "gesellschaftliche Lüge". Ron nennt es 1.1: Versteckte Feindseeligkeit.

    Das Wesen der versteckten Feindseeligkeit besteht darin, dass man seine Feindseeligkeit versteckt. Also Freundschaft, Zustimmung, Mitleid, Interesse, Heiterkeit etc. heuchelt, derweil man tatsächlich anders denkt - und vor allem - handelt!

    Ironie wird im Duden wie folgt definiert: "Feiner, verdeckter Spott, mit dem man etw. dadurch zu treffen sucht, dass man es unter dem augenfälligen Schein der eigenen Billigung lächerlich macht." Ironie ist ein "augenfälliger Schein", d.h. per Duden ist der Schein "auffällig, nicht zu übersehen". Wie wird die Ironie "nicht zu übersehen"? Durch Pronuntiatio, d.h. durch Hervorhebung durch Tonfall beim Reden. Zum Beispiel durch eine hohe, gekünstelte Stimme: "Hach, Frau Meyer: Sie haben sich ja heute wieder so hübsch hergemacht!" Es ist allen Beteiligten klar, dass man sich über Frau Meyer lustig machen will. Es steckt eine Feindseeligkeit dahinter, aber keine versteckte!

    Es gibt eine Gemeinsamkeit zwischen Ironie und 1.1: Die liegt in dem Unterschied zwischen Worten und Absicht. Man verwendet Worte, die wörtlich etwas anderes als die Absicht ausdrücken.

    Es gibt aber auch einen wesentlichen Unterschied zwischen Ironie und 1.1: Bei Ironie ist die Absicht, die Feindseeligkeit offensichtlich, bei 1.1 ist sie versteckt.

    Wenn man Ironie auf der Toneskala positionieren wollte, würde sie wohl oberhalb von 2.0 zu finden sein. Denn sie beinhaltet einen Antagonismus, eine offene Feindseeligkeit, die aber leicht und witzig vorgetragen wird. Eben ironisch. Man zieht den Anderen aus seiner Gegnerschaft nach oben, indem man ihn dazu bringt, über sich selbst zu lachen. Aber man kann Ironie auch bissiger anbringen. Es ist eben keine wirkliche Tonestufe, sondern eine Redeform, eine rhetorische Methode.

  • "Im Umgang mit Leuten um sich herum befassen sich Menschen im Bereich von 1,2 an abwärts mit einer Umkehrung von Tatsachen. Als Faustregel, die allzu oft funktioniert, als dass man sie mißachten könnte, kann man sagen, dass diese Person in Wahrheit etwas anderes tut, als sie sagt, was immer sie auch erzählen mag." L. Ron Hubbard im Buch "Wissenschaft des Überlebens", S. 175
  • Nun: Was würden 1.1er, die die Kontrolle über die Scientology übernehmen wollten, am meisten hassen? Dass die wirklichen Scientologen versteckte Feindseeligkeit erkennen könnten.

  • In HCO PL 5. Okt. 71 PROPAGANDA DURCH UMDEFINIERUNG VON WÖRTERN warnt Ron: "Eine von Sozialisten (Kommunisten und Nazis gleicher-maßen) benutzte langfristige Propagandatechnik ist für PR-Praktiker von Interesse. Ich kenne keine Stelle, wo sie in der PR-Literatur erwähnt wird. Aber die Einzel-heiten kursierten mündlich in Spionagekreisen und sind gegenwärtig ständig in Gebrauch.

    Der Trick ist folgendes - WÖRTER WERDEN UMDEFINIERT, UM ZUGUNSTEN DES PROPAGANDISTEN EINE ANDERE BEDEUTUNG ZU ERHALTEN.

    ...

    Die Umdefinierung von Wörtern wird erreicht, indem man andere Emotionen und Symbole, als beabsichtigt war, mit dem Wort assoziiert.

    ...

    Der Weg, ein Wort umzudefinieren, besteht darin, die neue Definition so oft wir nur möglich wiederholen zu lassen. "

  • Daher würden sie die Tonestufenübungen so verändern, dass die Studenten nicht mehr in der Lage sind, 1.1 zu erkennen. Und genau das wurde gemacht. Nicht indem sie die L. Ron Hubbard-Texte dazu verändern, denn damit würden sie ertappt werden, da ältere Versionen dieser Text schon verbreitet sind. Aber indem sie durch mündliche Daten und durch falsches Vormachen etwas zufügen, was die korrekte Übung verpfuscht.

    Und genau das wird tatsächlich gemacht: Statt die Tonestufe versteckter Feindseeligkeit zu üben, wird eine ironische Variante geübt, die gleich offensichtlich abwertend ist. Ein wirkliches Einnehmen von 1.1 bestände darin, dass der Student eine feindseelige Absicht hegt und nach außen Freundlichkeit (oder sonst eine andere angemessene Tonestufe) schauspielert. Der Partner müßte nun lernen, die dahinterliegende Absicht zu erspüren. Ich sage nicht, dass das eine leichte Übung ist, aber es ist in unserer Gesellschaft eine so wichtige Übung. Wenn es gar nicht mehr geübt wird - wie in der Scientology-Kirche ! - dann wiegt der ausgebildete Auditor sich in der falschen Annahme, dass er versteckte Absichten durchschauen könnte. Und er fällt auf das falsche Management der Scientology-Kirche herein, das den "Laden nur übernommen hat", um Scientology unten zu halten. Denn warum sollten diese Betrüger sich entlarven, indem sie ihre Feindseeligkeit durch Pronuntiatio offen zur Schau stellen?

    Lasst uns also zur ursprünglichen Definition von 1.1 zurückkehren: Versteckte Feindseeligkeit. Und lasst uns diese üben, bis wir zwei EPs erreichen: 1. die Erkenntnis, wie schwer es ist, 1.1 wirklich sicher zu erkennen und 2. die Fähigkeit, die hinter geheuchelter Freundschaft verborgene Feindseeligkeit immer mehr und immer schneller zu durchschauen.

    "Preis der Freiheit: Ständige Wachsamkeit und ständige Bereitschaft, zurückzuschlagen. Einen anderen Preis gibt es nicht." L. Ron Hubbard im Vortrag AHMC-1, 6012C31

    Andreas Groß


    Änderungsstand: 04. März 2002 - Copyright © 2001 by Andreas Groß, Schweiz
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