Das mißverstandene Wort definiert - Fehlerbericht

Das HCO B 17. 7. 79RB I "Das mißverstandene Wort definiert" erscheint mir als ganz wichtige Schlüsselreferenz im Wortklären.

LRH unterteilt hier in zehn verschiedene Möglichkeiten, wie ein Wort "mißverstanden" sein kann. Ich schreibe hier "mißverstanden" in Anführungsstriche, da unter den 10 Arten auch das "nicht verstandene" Wort und die "abgelehnte Definition" aufgeführt sind, die genaugenommen nicht unter den Oberbegriff "mißverstanden" unterzuordnen sind. Aber aus praktischen Erwägungen hat LRH sie eben doch hier mit aufgeführt. Aus gutem Grund, wie die folgenden Ausführungen zeigen. LRH definiert daher hier den Scientologischen Fachbegriff "Mißverstandenes Wort" (oder kurz MU für englisch "mis-understanding) in seiner Referenz:

"Mißverstanden" oder "Nicht-Verstanden" sind Ausdrücke, die verwendet werden, um einen jeglichen Fehler oder irgendeine Unterlassung im Begreifen eines Wortes, eines Vorstellungsinhalts, eines Symbols oder eines Status zu bezeichnen.

Die Unterteilung in 10 Kategorien umfasst die vollständige Definition von "MUs" durch eben diese Aufzählung.

Diese Aufzählung dient jedoch nicht einer reinen akademischen Kategorisierung, sondern hat für den Wortklärer einen ganz praktischen Nutzen. Er kann diese 10 Kategorien wie eine Art Checkliste verwenden, um einem Studenten besser helfen zu können. Ich habe darüberhinaus eine graphische Demo gemacht, um die optimale Reihenfolge aufzuzeigen, in der man als Wortklärer diese 10 Kategorien überprüft.

Das HCO B scheint jedoch nicht vollständig von LRH erarbeitet zu sein. Das ist nicht unüblich, dass andere ein HCO B ergänzt haben. Ich bin mir aus folgendem Grund so sicher, dass hier mindestens zwei Autoren am Werk waren: Denn die 10 Kategorien der MUs zeigen wirkliche Genialität, aber die dazu verwendeten Beispiele zeigen, dass der zweite Autor der Beispiele darüber in Verwirrung gewesen ist und die 10 Möglichkeiten ein MU zu haben, nicht wirklich begriffen hat.

Zur Veranschaulichung beziehe ich mich auf die angekündigte Graphik:

Die Graphik ist in der Form eines sogenannten "Flußdiagrammes" gezeichnet worden. Diese Methode wird von Programmierern verwendet, um Programmabläufe graphisch zu demonstrieren. Diese Methode ist sehr geeignet, um viele komplexere LRH-Prozesse u.ä. zu veranschaulichen und wurde unabhängig voneinander von verschiedenen Scientology-Studenten für solche Demos verwendet. Daher eine kurze Einführung der hier verwendeten Symbole:

Rechtecke (mit den spitzen Ecken) bedeuten eine Aktion.

Kästen mit runden Ecken sind der Anfang oder das Ende eines Ablaufes (hier wurde es verwendet, um das jeweilige Ergebnis zu betonen: Welches der 10 Kategorien von MU gefunden wurde, auch wenn danach das Wort weiter geklärt wird.

Parallelogramme ("Salinos") beinhalten eine Alternative, die den Programmablauf entweder hier oder da weiterlaufen läßt. Meist sind es Ja/Nein Antworten, die den Programmablauf steuern.

Linien mit Pfeilen zeigen die Verbindung zwischen den einzelnen Aktionen und die Flußrichtung an. Dabei geht es vorrangig von oben nach unten und von links nach rechts. Aber es kann auch mal einen Fluss zurück geben.

In der ersten Orientierung schaut man nach einem Startpunkt für das Diagramm, der meistens oben links im Bild zu finden ist. Entsprechend gibt es auch einen oder mehrere Endpunkte.

Nun im Einzelnen zu diesem Diagramm: Es beginnt oben mit der Überschrift als Startpunkt und dann mit der ersten Aktion: "Der Wortklärer fragt den Studenten nach der Definition von einem Wort oder Symbol".

Darunter kommen wir zu einer Abfrage, denn die Antwort läßt einen alternativen Verlauf zu: "Kann der Student eine Definition nennen?" Wenn nicht, geht es rechts weiter, dann haben wir den offensichtlichsten Fall der 10 MUs gefunden, der als 9. Fall behandelt wird: "Keine Definition".

Sonst geht es nach unten. Der Student kann eine Definition nennen und tut es.

Die nächste Aktion ist genaugenommen optional und hängt davon ab, wie sicher der Wortklärer dabei ist, selbst die Definition exakt zu kennen, denn gegebenenfalls braucht er erst später das Wort nachzuschlagen - nur wenn der Student es auch zu klären hat. Aber ich habe diese Aktion hier sicherheitshalber vorgezogen.

Nun kommen wir zur nächsten Abfrage (Parallelogramm), denn der Wortklärer muß herausfinden, ob er eine passende Definition im Wörterbuch findet.

Wenn nicht, geht es rechts weiter: Gibt es vielleicht ein passendes Homonym (Fall 6)? Das ist deswegen hier aufgeführt, weil es im Wörterbuch ein wenig später stehen könnte und daher bei der ersten Suche übersehen werden könnte. Dazu kommt noch folgendes: Die Definition eines Homonyms wird nicht von allen wirklich verstanden: Viele denken es sei ein gleichgeschriebenes Wort mit einem anderen Wortstamm: Lama und Lama. Das wird jedenfalls durch die verwendeten Beispiele im HCO B nahegelegt. Aber das Homonym wurde auch in der Referenz so definiert, dass es "genauso klingt, manchmal auch genauso geschrieben wird". Also sind auch die folgenden Paare Homonyme:

Im Deutschen oft unterschieden mit einem Dehnungs-H im Wort. Auch im englischen gibt es viele solcher Beispiele unterschiedlicher Schreibweise gleich gesprochener Worte:

Gerade bei gesprochenen Texten muß man damit rechnen. Mir ist das sogar schon einmal bei einem englischen Transcript eines LRH-Vortrages aufgefallen, dass das falsche Homonym niedergeschrieben wurde und so keinen Sinn machte.

Das letzte Beispiel vom Homonym im HCOB ist wieder völlig falsch: Baby (ein Säugling) und Baby (mein Schatz). Hier handelt es sich nicht um Homonyme, sondern um verschiedene Definitionen des gleichen Wortstammes Baby! Solche falschen Beispiele verbreiten Verwirrung!

Wenn auch die Suche nach einem Homonym keinen Erfolg bringt, sollte der Wortklärer nach einem besseren Buch Ausschau halten, denn er hat einen Fall von fehlender Definition (Fall 8). Notfalls kann man heute im Internet danach surfen, bei sehr exotischen Begriffen. Auch www.babylon.com ist ein guter Startpunkt.

Wenn der Wortklärer es endlich selbst gefunden hat, geht es in dem Rechteck links in der Mitte weiter: Er überprüft die Antwort des Studenten, ob sie wirklich richtig ist. Das ist nicht immer offensichtlich, dass die Studentenantwort falsch oder unzureichend ist.

Wenn die Definition erfunden (Fall 2) wurde (vom Studenten oder von einem anderen, der ihm mündliche Antworten gab), dann zeigt man das an und klärt das Wort. Hier gibt es gleich zwei unpassende Beispiele: Ein Junge wird als "ein Mädchen" geneckt, wenn er Mutproben ausschlug. Er dachte "ein Mädchen" heißt "eine feige Person". Das ist jedoch in diesem Kontext nicht erfunden, sondern tatsächlich die Bedeutung, die seine Spielkameraden diesem Begriff beigemessen haben. Also liegt hier gar kein MU vor, sondern es hat gut kommuniziert. "Eine feige Person" als Definition für "ein Mädchen" wäre also eventuell eine fehlende Definition (Fall 8), wenn der Wortklärer diese nicht im Wörterbuch nachschlägt. Denn nicht jeder Jargon von Jugendlichen findet sich im Wörterbuch wieder.

Das zweite Beispiel für die erfundene Definition ist auch unpassend. Jemand kannte nur die Verwendung von Ausrufezeichen ! bei Flüchen in Comics und begriff nicht die Standardmäßige Definition als Satzzeichen. Dies ist ja gerade nicht von ihm erfunden worden, sondern tatsächlich in Comics als Fluch verwendet worden, also eine gültige, aber nicht passende Definition und wäre damit ein gutes Beispiel für den Fall 5.

Ein gültiges Beispiel für Fall 2 fehlt also und wird hier von mir nachgereicht: Jemand liest und hört auf einer politischen Demonstration das englische Wort "Freedom". Da es ähnlich klingt wie das deutsche Wort "Frieden", das auch eine politische Forderung sein könnte, hält er dies für die richtige Übersetzung, das ist seine Erfindung und falsch. Denn Freedom heißt "Freiheit".

Wenn es einen gewissen Bezug gibt, liegt eine inkorrekte Definition (Fall 3) vor (man kann bestätigen "Fast richtig") sonst ist sie total verkehrt (Fall 1).

Zum Fall 3 gibt es ein falsches Beispiel im HCO B: Jemand verwechselt den Punkt einer Abkürzung mit dem Satzendezeichen. Das wäre ein Beispiel für Fall 5, eine nicht passende Definition. Ein richtiges Beispiel für Fall 3 wäre, wenn jemand eine Enzyklopädie für ein Wörterbuch hält.

Zum Fall 1 gibt es im HCO B ein falsches Beispiel: "Eine Person sieht ein Gleichheitszeichen (=) und glaubt, es bedeutet, etwas zweimal subtrahieren." Das ist jedoch eher ein gutes Beispiel für den 2. Fall: Erfundene Definition.

Wenn die Definition richtig ist, muß der Wortklärer jedoch noch überprüfen, ob sie auch vollständig ist: Es könnte nur ein passendes Synonym (Fall 7) gegeben worden sein. Vorsicht: Dann gibt es oft kein volles Verstehen seitens des Studenten! Auch wenn es so scheint.

Auch eine unvollständige Definition (Fall 4) fällt nicht immer gleich auf.

Am leichtesten wird übersehen, wenn der Student eine im Kontext nicht passende Definition (Fall 5) kennt und geben kann. Insbesondere der Student übersieht diesen Fehler selbst gerne.

Der 10. Fall, eine abgelehnte Definition, könnte eigentlich auch ein "geladenes Wort oder Symbol" heißen, denn erst in der Folge wird die Definition abgelehnt, wenn das Wort selbst geladen ist. Dieser Fall passt nicht an eine bestimmte Stelle im Ablauf, sondern der Wortklärer muß immer wachsam sein, ob dieser Fall vorliegt. Wenn der Student unerklärliche Schwierigkeiten hat, ein Wort bei aller Anwendung der Tech zu klären, dann muß damit gerechnet werden, dass das Wort emotional geladen ist. Einfach danach fragen: "Hast Du schlechte Erfahrungen mit ____ gemacht?" oder eine ähnliche Formulierung. Dann macht man eine Art "Kaffeklatsch-Auditing" auf dieses geladene Wort und entlädt es so. Danach kann man es ganz normal klären.

Ich hoffe, dass jetzt die Verwendung dieser 10 Kategorien klarer geworden ist und von jedem mit großem Erfolg beim Studieren verwendet werden kann.

Andreas Groß


Änderungsstand: 17. Mai 2001 - Copyright 2001 by Andreas Groß, Schweiz
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