Beweis für Leben nach dem Tod gefunden?

Nahtod- oder Grenzerfahrungen, davon hat jeder von uns schon einmal gehört. Der Vorgang des Sterbens verläuft dabei fast immer nach demselben Muster. Zuerst eine Loslösung vom Ich, dann der Gang durch ein wunderbar gleißendes Licht. In den meisten Fällen kommt es anschließend zu einer Begegnung mit bereits verstorbenen Verwandten oder sogar mit "Gott" selbst. All diese Stadien werden begleitet von einem starken Glücksgefühl und regelrechter Ekstase.

Dieser Prozeß ist nicht nur auf einzelne Volksgruppen reduziert sondern findet tagtäglich auf der gesamten Welt statt, von den Hindu in Indien über die Pygmäen Zentralafrikas bis zu den Eskimos Grönlands. Doch die Ereignisse erscheinen so bizarr, daß man diese Personen oftmals als verwirrt oder sogar geisteskrank abstempelt.

Doch fest steht, daß die Ähnlichkeiten der Erfahrungen zu groß sind, um sie einfach vom Tisch zu wischen. Forschungen konnten folgende Similaritäten ausfindig machen:

86 % erlebten ein überwältigendes Liebesgefühl, 72 % sahen Gott, 69 % erlebten das eigene Leben als "Filmreplik", 44 % schritten durch einen Tunnel, 44 % wurde mitgeteilt, daß sie noch nicht zum Sterben bereit seien, 33 % beschrieben das Ereignis als "nach Hause kommen", 22 % sahen eine Lichterstadt und 19 % erlebten die Hölle.

Was ist dran an diesen Erfahrungen? Gibt es tatsächlich ein Leben nach dem Tod, so wie es dem Kern beinahe aller Weltreligionen, egal ob Massenbewegung oder Sekte, entspricht? Ist unser jetziges Leben tatsächlich mehr als eine verwelkende Blüte auf dem Baum der Evolution? 

Der Tod ist nicht das Ende

Ja, meinen dazu jetzt britische Wissenschaftler. Sie glauben Beweise dafür gefunden zu haben, daß der Tod nicht das Ende bedeutet, sondern der Anfang eines neuen Daseins ist, in welcher Form auch immer.

Im Rahmen ihrer Studien untersuchten die Forscher mehr als 63 Herzinfarktpatienten, die allesamt nach ihrem klinischen Tod wieder ins Leben zurückkehrten.

56 von ihnen hatten keine Erinnerung an diesen Zustand, sieben konnten sich an "irgendetwas" erinnern, aber vier davon fühlten tatsächlich eine Art Nahtod-Erfahrung.

Wie alle Menschen, die ihre Reise ins Jenseits abbrachen, berichteten auch diese vier Personen von intensiven Gefühlen des Glücks und Friedens.

Sie erzählten davon, daß die Zeit plötzlich rasant verging, die Sinne geschärft wurden und sie ihren physischen Körper hinter sich ließen. Wahrgenommen wurde ein helles Licht, der Eintritt in eine "andere" Welt, ebenso wie eine mystische Person (gottesähnlich oder engelhaft) gesehen wurde und ein Bereich, von dem an eine Rückkehr unmöglich schien.

Wirklich sensationell war aber, daß anhand der medizinischen Aufzeichnungen festgestellt wurde, daß keiner der Patienten niedrige Sauerstoffwerte im Gehirn aufwies, das Gehirn also niemals unterversorgt war. Dies war oft Hauptangriffspunkt der Kritiker, die das Zusammenbrechen der Gehirnfunktionen durch einen plötzlichen Sauerstoffabfall als Ursache für die Nahtoderfahrungen sahen.

„Diese Patienten hatten die übersinnlichen Erfahrungen genau dann, wenn man sie am wenigsten erwarten würde - wenn das Gehirn keine Funktion mehr ausüben und keine bleibenden Erinnerungen mehr formen kann“, schreibt Forschungsleiter Dr. Sam Parnia vom Southampton General Hospital.

Parnia nimmt daher an, daß unser Bewußtsein völlig unabhängig vom Gehirn arbeitet und für sich alleine bestehen kann.

"Wenn wir das Gehirn untersuchen, dann sehen wir ganz deutlich, daß sich die Gehirnzellen nicht von anderen unterscheiden. Sie produzieren Proteine und Chemikalien, aber sie können nicht jene subjektiven Gedanken bilden, die man auch als Bewußtsein kennt."

"Das Gehirn wird also definitiv als Halterung für den Geist benötigt, ein bißchen wie ein Fernseher, der erst Wellen auffängt und sie dann in Bild und Ton umwandelt, um sie darzustellen." Sam Parnia´s genaue Forschungsergebnisse werden demnächst in „Resuscitation“ (Wiederbelebung) veröffentlicht, einem angesehenen Fachjournal unter Medizinern.

Dr. Chris Freeman vom Royal Edinburgh Hospital steht den „wissenschaftlichen“ Erkenntnissen jedoch höchst skeptisch gegenüber. Ihm zufolge gäbe es keinen Beweis, daß die berichteten Nahtoderfahrungen genau während des totalen Stillstands des Gehirns auftraten.

„Wir wissen, daß unsere Erinnerungen höchst fehlbar sind. Wir sind zwar gut darin uns zu erinnern, daß etwas geschah, aber nicht wann“, so der Forscher gegenüber BBC. „Es ist durchaus möglich, daß diese Nahtoderfahrungen ganz kurz vor, oder nach dem zerebralen Stillstand auftraten.“

Parnia jedoch sieht dies naturgemäß anders: “Anfangs war ich höchst mißtrauisch, doch wenn ich jetzt alles abwäge, komme ich nur zu einem Schluß: Hier geht etwas ganz Merkwürdiges vor.”

Parnia steht mit seinen wissenschaftlichen Unterschungen nicht alleine da. Schon in der Vergangenheit gab es immer wieder Studien über Nahtoderfahrungen, die mit dem Fortschreiten der medizinischen Diagnosemöglichkeiten stets komplexer wurden.

Tausende Menschen wurden befragt, und jeder hatte seine eigene Geschichte zu erzählen, die jedoch in ganz entscheidenden Punkten immer wieder Übereinstimmungen fand.

Doch genau wie es diese wichtigen Übereinstimmungen gibt, wie etwa ein Licht am Ende des Tunnels oder ein überwältigendes Glücksgefühl, gibt es auch oftmals gravierende Unterschiede in den Nahtod-Erfahrungen.

Vor allem kann man zwei wesentliche Kategorien unterscheiden: Positive oder negative Erfahrungen. Menschen, die normalerweise einen durchaus positiven Lebenswandel aufweisen, machen vor allem auch positive Nahtod-Erlebnisse.

Jene Menschen aber, die mit Hass und Zorn erfüllt sind, fallen in die zweite Kategorie. Eine genaue Erläuterung und entsprechende Beispiele sollen dies verdeutlichen.

Die typischen postiven Nahtod-Erfahrungen weisen durchwegs die gleichen Eigenschaften auf. Nach der Loslösung vom Ich wandern die "Sterbenden“ durch einen Tunnel, an dessen Ende ein himmlisches Licht erscheint. Sobald der Tunnel durchschritten ist, begegnen einem oftmals geliebte verstorbene Verwandte, Freunde oder Bekannte.

Manchmal aber berichten die Menschen von einer machtvollen lichtumhüllten Person, die man als Gott umschreiben könnte. Dieses Wesen veranlaßt den “Sterbenden” zu einem Rückblick auf das eigene Leben. Danach erhält man die Möglichkeit, wieder ins Leben zurückzukehren oder den Weg fortzusetzenden.

Oftmalige Begründung zur Umkehr: "Sie sind noch nicht bereit zum Eintritt“. Ein Beispiel:

Eine amerikanische Patientin namens Marylin wurde nach einem Herzinfarkt in die Notfall-Aufnahme gebracht. Doch plötzlich verschwand der Schmerz - und eine erstaunliche Erfahrung begann.

"Ich wurde aus meinem Körper geworfen und schwebte an der Decke, konnte den Staub auf den Lampen erkennen und dachte: Verdammt, einer sollte hier endlich saubermachen. Überdies konnte ich die Ärzte beobachten, wie sie an einem Körper arbeiteten. Plötzlich wurde mir klar: Das bin ja ich.

Schließlich konnte ich sogar meine Familie und meine Kinder außerhalb des Raumes erkennen, sie alle weinten. Ich wollte ihnen mitteilen, es geht mir gut, aber sie konnten es nicht hören. Dann plötzlich hatte es den Anschein, als müßte ich zurückgehen und meine Kinder beschützen und großziehen." 

An der Grenze zur Hölle

Obwohl die meisten Menschen eine positive Erfahrung machen, gibt es auch den umgekehrten Fall: Während der Nahtod-Erfahrung gelangten sie oftmals in eine höllenähnliche Umgebung, was zu regelrechten Angst- und Panikattacken führte.

Dies trifft insbesondere für Selbstmörder zu. In durchgeführten Studien konnte bewiesen werden, daß alle Probleme im Diesseits auch ins Jenseits mitgenommen werden. Viele Menschen wurden sogar dazu "gezwungen", die Konsequenzen ihres Handelns zu erkennen.

Dann berichteten die Betroffenen, daß sie von einem Heiligen oder guten Bekannten aus der Hölle gerettet wurden, was darauf schließen lässt, daß die Hölle nur eine temporäre Angelegenheit ist, vergleichbar mit dem christlichen Fegefeuer.

Nach der Rettung wurde auch ihnen der Film des Lebens vorgespielt, worauf sie die Entscheidung treffen konnten entweder zurückzukehren oder "richtig" zu sterben.

Besonders einprägend wird dieser Zustand von einem Betroffenen geschildert, der nach einem Autounfall ins "Jenseits" geschleudert wurde:

"Ich war ganz alleine im Universum. Ich hörte Geräusche, das Ächzen und Stöhnen von Menschen, die ich nur sehr entfernt beobachten konnte. Sie trugen eine Art Robe, waren ohne Kopf und litten große Qualen. Sie waren hilflos und deuteten mir, doch zu ihnen zu kommen. Plötzlich aber wurde mir bewußt, daß ich dort für immer bleiben würde."

"Dann bekam ich eine Nachricht, über dessen Art ich mich zwar nicht mehr erinnern kann, aber über dessen Inhalt umso genauer: Ich sollte eine Wahl treffen, eine Wahl zwischen Jenseits und Diesseits. Es war unglaublich schrecklich, ich kann es kaum beschreiben. Dies alles ist nun 14 Jahre her und ich weiß noch immer nicht, womit ich das alles verdient habe."

Einen Grund, warum Nahtod-Erfahrungen so unterschiedlich sein können, erklärt der Mystiker Meister Eckehart folgendermaßen:

"Das Einzige, das in der Hölle verbrennt, ist der Teil, der uns ans Leben bindet: Gedächtnis und Zuneigung. All dies verbrennt, aber es gibt keine Schmerzen, sondern befreit die Seele. Fürchtet man den Tod und hält ihn zurück, dann sieht man Teufel, die einem das Leben entreißen. Ist man jedoch zufrieden und im persönlichen Einklang mit sich selbst, verwandeln sich die Teufel in Engel."

All das zeigt ganz deutlich: Die Qualität der Nahtod-Erfahrung hängt ganz entscheidend mit der Persönlichkeit des Einzelnen zusammen. Die Nahtod-Erfahrung ist demnach vermutlich nichts anderes, als das diesseitige Leben, in der sich jedes Individuum seine eigene Realität bildet.

Hier kreieren wir die Realität durch unsere Handlungen und Gedanken. Das Leben nach dem Tode, so es eines gibt, dürfte daher nicht wesentlich von unseren derzeitigen physikalischen Erfahrungen abweichen.

Wissenschaftliche Hinweise

Personen mit einprägsamen Nahtod-Erfahrungen werden oft als geisteskrank eingestuft, erscheinen ihre Erlebnisse doch äußerst bizarr und zweifelhaft. Doch auch Dr. Bruce Greyson, Professor der Psychiatrie an der University of Virginia veröffentlichte unlängst anderslautende Forschungsergebnisse im angesehenen medizinischen Fachjournal „The Lancet“.

Im Zuge seiner Studien an 134 Menschen mit Nahtod-Erfahrung fand er heraus, daß diese Menschen im Gegensatz zum Stereotyp keineswegs geisteskrank sind.

Vielmehr reagieren sie auf den außerordentlichen Streß während des Vorgangs der Trennung von Seele und Körper. Im Prinzip richten sie ihre Aufmerksamkeit nur auf einen ganz bestimmten Teil ihrer Erfahrung, sodaß sie alles andere um sie herum abblocken.

Wie Greyson erklärt, gäbe es auch in unserem Alltag eine Unzahl an Beispielen, welche diesem Vorgang ähneln. Befinden wir uns beispielsweise in einem äußerst spannenden Streitgespräch, bemerken wir kaum das Herannahen einer anderen Person.

"Am extremen Ende dieses Spektrums können Menschen ganz beträchtliche Formen der Abspaltung besitzen. Dieses Ereignis blockiert dann oftmals große Teile unseres Lebens", so Greyson. 

Alles Halluzination?

Eine der größten argumentellen Stärken für die Theorie, daß Nahtod Erfahrungen real sind, ist jedoch gleichzeitig die größte Schwäche:

Die Tatsache, daß alle Menschen verschieden an Rasse, Geschlecht und Religon den gleichen "Todespfad“ durchschreiten – vom Tunnel über das Licht bis zur Rückkehr – ist zwar ein starker Hinweis auf eine spirituelle Reise zu einem Leben nach dem Tode.

Doch gleichzeitig ergibt sich daraus der Verdacht, daß dieses Ereignis ein vom sterbenden Gehirn gesteuerter Vorgang ist und nicht etwa ein reales Ereignis oder eine spirituelle Reise.

Jedes Gehirn stirbt auf die selbe Art und Weise, so die Skeptiker und dies sei nicht etwa der Beweis für eine Reise in ein schöneres Jenseits, sondern die offensichtliche Tatsache, daß sich die Neurotransmitter unseres Gehirns abschalten und diese wunderbaren premortalen Erfahrungen auslösen.

Die Kritiker sehen darin vielmehr einen von der Natur gegebenen Sterbemechanismus, der uns das schmerzhafte Sterben erleichtert und so angenehm wie möglich gestaltet. 

Vor allem hat man herausgefunden, daß während des Sterbevorgangs große Mengen an Endorphinen ausgeschüttet werden, ein Hormon, das direkt auf das zentrale Nervensystem einwirkt und Schmerzen unterdrückt.

Marathonläufer etwa wissen um diesen Effekt. Dabei gelangen sie während des Rennens zusehens an eine Schmerzgrenze, welche den Lauf zur Qual werden läßt. Ab einem gewissen Punkt "maximaler Erträglichkeit" läuft man dann plötzlich wieder mit leichten Füßen, ohne Müdigkeit und mit einem gewissen Gefühl der Erregung.

Allerdings: Endorphine sind keine Halluzinogene - und können nicht den Zustand des Nahtodes herbeiführen.

Zusätzlich sind Studien an Neurotransmitter Rezeptoren nur schwierig durchzuführen und befinden sich bislang noch im Anfangsstadium. Man weiß aber bereits, daß ein starkes Narkotikum names Ketamin viele der Nahtod-Eigenschaften hervorrufen kann, insbesondere den Zustand der Loslösung.

Eine der Theorien geht daher davon aus, daß Ketamin während des Nahtod-Zustandes in hohen Mengen ausgeschüttet wird und von selbst an bestimmte Neurotransmitter Rezeptoren andockt.

Doch wenn die Nahtod-Erfahrung nur eine Halluzination ist, warum berichten dann so viele Menschen davon, daß ihre Mission noch nicht komplett oder der richtige Todeszeitpunkt noch nicht gekommen sei? Und warum halluzinieren dann so viele Menschen das Gleiche?

Nancy Bush von der Association for Near-Death Studies, sagt jedenfalls sehr treffend: "Es gibt keine menschliche Erfahrung - sich zu verlieben, traurig zu sein, ein Baby zu bekommen oder aber auch eine transzendente Erfahrung wie den Nahtod zu haben - die auf einen rein biologischen Vorgang reduziert werden kann."

Und ganz egal wie spekulativ die eine oder andere Theorie auch noch sein mag - eine Existenz über den physischen Tod hinaus wird nun jedenfalls nicht nur von allen Weltreligionen als gegeben angenommen, sondern auch schon von Seiten der Wissenschaft in Betracht gezogen - das sollte uns zu denken geben.

Autor Klaus Hofbauer

Referenz: http://www.expeditionzone.com/start_hi.cfm?story=941&business=&club=&member=


Änderungsstand: 03. Juli 2001 - Copyright © 2001 by Andreas Groß, Schweiz
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