An alle Scientologen und scientologischen Freunde :
Theta-Rundbrief Nr. 5

01.02.2002

Lieber Leser, 

ab sofort versenden wir unseren Rundbrief auch nach Österreich und in die Schweiz. Die Anzahl der Empfänger auf unserer Verteilerliste ist inzwischen auf über 500 angestiegen. Einige haben angefragt, wie wir zu den E-Mail-Adressen gekommen sind. Ganz einfach: Einige hatten wir schon, den großen Rest hat uns New Era geschickt. Vordergründig geschah dies sicher nicht mit Absicht. Andererseits wissen wir ja, daß es keine Zufälle gibt. Wir hatten die bei New Era vorhandenen E-Mail-Adressen aller Scientologen weltweit bekommen und uns danach entschlossen, mit dem Rundbriefversand zu beginnen. Bereits nach der Ausgabe 1 wurden uns von Lesern weitere Adressen übersandt. Der Grund, warum wir unsere Rundbriefe nicht auch weltweit versenden, sondern uns derzeit auf den deutschsprachigen Raum beschränken, ist nur die Sprachbarriere. Wenn sich jemand findet, der die Briefe in flüssiges und fehlerfreies Englisch, Französisch, Italienisch oder Spanisch übersetzen kann, werden wir die entsprechenden Länder selbstverständlich mit in den Verteiler aufnehmen. Wer helfen will, bitte melden. Diskretion ist selbstverständlich.

Das zentrale Thema unseres letzten Rundbriefs war "Tonarmaktion". Wie die in der vergangenen Woche eingegangenen Leserzuschriften belegen, scheint genau das auch zur Zeit bei den Empfängern unserer Botschaften stattzufinden. Das war beabsichtigt, denn schließlich hatten wir Sie zu nichts Geringerem aufgefordert, als aus der "Kirche" auszutreten. Diese Empfehlung ist die logische Schlußfolgerung einer intensiven Analyse betreffend die verheerende Situation der "Scientology Kirche" weltweit.

Dennoch kann für Sie nur das wahr sein, was Sie selbst als wahr erkennen. Falsche Daten verschleiern gelegentlich die Wahrnehmung dessen, was ist. Wir haben uns deshalb bemüht, die von der "Kirche" verbreiteten falschen Daten in den vier letzten Rundbriefen zu widerlegen und durch wahre Daten zu ersetzen. Es genügt, einfach nur hinzusehen. 

Doch Daten sind nicht alles. Die Zweifelformel fordert den Anwender auf, auch die Statistiken einer Gruppe zu untersuchen und daraus gleichermaßen seine Schlüsse zu ziehen. Möglicherweise fällt das einem Individuum leichter, da bestimmte Schlüsselstatistiken sich immer auch nachprüfbar im physikalischen Universum manifestieren und nur beobachtet zu werden brauchen.

Nehmen wir also am besten die Org oder Mission in unserer Nähe. Nennen wir sie  "Org XY".

Stellen Sie sich selbst einfach einige Fragen und beginnen Sie bei den ersten beiden mit dem einzigen Grund, warum es Orgs überhaupt gibt :  

Wieviele bestätigte Clears hat die Org XY im letzten Jahr hervorgebracht ?

Wieviele Personen wurden im letzten Jahr in der Org XY zu einem Klasse-V-Auditor mit Internship ausgebildet, also jemand, der selbst dauerhaft Clears machen kann ?    

Es gibt einzelne Orgs in Deutschland, bei denen die Antwort auf beide Fragen "null" lautet. Aber selbst wenn es 2 oder 3 sind, was macht das aus bei einem Bevölkerungszuwachs von jährlich etwa 100 Millionen Menschen weltweit auf diesem Planeten?  Werden Ihnen diese Zahlen verschwiegen, verschleiert oder mit irgendwelchen anderen "Erfolgen" schöngeredet ?  

Gehen die Menschen, die sich in der Org XY auditieren lassen, zielstrebig die Tonskala hinauf ? Sind diese Menschen glücklich, gesund und wirtschaftlich erfolgreich ? Gibt es nur wenige, die sich über ihren Service beklagen ?

Oder gibt es in der Org XY zahlreiche Fälle, denen es schlecht geht, die "Achterbahn fahren", die hoch verschuldet sind, die mit schlechten Indikatoren herumlaufen, deren Ehen scheitern, die als Dauerbesucher der Ethikabteilung gelten, die kein gutes Vorbild für andere sind ? 

Expandiert die Org XY ?  Wächst also kontinuierlich die Zahl der Mitarbeiter ? Wächst ebenso unaufhaltsam die Zahl der wöchentlich gelieferten Auditingstunden ? Steigen die erzielten Studierpunkte von Woche zu Woche ? Dehnt sich die Org XY auch räumlich aus, indem sie neue Räume hinzumietet oder öfter in ein größeres Gebäude umzieht ?   

Oder ist Stillstand bzw. Rückschritt das Charakteristikum ? Stehen Auditingräume wegen eines Mangels an Auditoren leer ? Sind die Kursräume nur mäßig besucht oder zu bestimmten Zeiten gar nicht frequentiert ? Ist die Org XY kürzlich sogar in ein kleineres Gebäude umgezogen oder hat sie angemietete Räume aufgegeben ?

(Anmerkung: Wer hier als positives Beispiel die Hamburg-Org anführen möchte, dem sei gesagt, daß diese Organisation für ihr neues Gebäude nicht einen Pfennig selbst beigetragen hat. Sie bekamen das Haus vom internationalen Management geschenkt, weil sie im alten Gebäude am Steindamm schon längere Zeit keine Miete mehr zahlten und mit dem alsbaldigen Rauswurf rechneten. So etwas nennt man Belohnung von Downstats. Inzwischen gibt es bereits Gerüchte, daß sie das neue Gebäude wieder aufgeben müssen, weil sie nicht einmal den normalen Unterhalt dafür erwirtschaften können. Es gibt kaum noch Auditoren, die meisten Auditingräume stehen leer.)

Werden die Mitarbeiter ordentlich bezahlt, so daß sie sich einen akzeptablen Lebensstandard leisten können ? Sind sie anständigerweise gegen Arbeitslosigkeit und Krankheit versichert ? Kommen die Mitarbeiter selbst auf der Brücke weiter und können sie sich fortbilden ?

Oder müssen die Mitarbeiter nebenbei einer anderen, oft minderwertigen Arbeit nachgehen, um mehr schlecht als recht in diesem Universum überleben zu können ? Sind sie weder kranken- noch arbeitslosenversichert und dürfen sie frühestens nach zweieinhalb Jahren (viele erst nach 5 Jahren) erstmalig kündigen ? Werden sie entgegen früherer Versprechungen nur selten die Brücke hinaufauditiert oder haben sie wegen überlanger Arbeitszeiten kaum Möglichkeiten zur Fortbildung ?    

Sind Gebäude und Einrichtungen in gutem Zustand, ist das Mobiliar gepflegt, werden die Kosten für Miete, Strom, Heizung und Telefon regelmäßig bezahlt ?   

Oder sind die Teppiche und Polstermöbel verfleckt und zerschlissen, die Telefone häufig abgestellt, die Räume im Winter oft tagelang kalt usw.  ?  

Sind die sanitären Einrichtungen in einwandfreiem und hygienischem Zustand, Wände und Decken von frischer Farbe und ohne Flecken, alle Leuchten funktionstüchtig, Tür-, Glas- und Spiegelflächen ohne Schäden und blitzsauber,  Büromaterial ausreichend vorhanden usw. ?

Oder werden Sie häufig um außerordentliche Spenden gebeten, damit die notwendigsten Dinge gekauft oder die Mieten der letzten Monate bezahlt werden können ? 

Genießt die Organisation hohes Ansehen in der Bevölkerung, weil jedermann die wertvollen Produkte erkennen kann und zu schätzen weiß ? Können sie deshalb stolz all Ihren Nachbarn erzählen, daß Sie ein Scientologe sind ?

Oder ist die Bevölkerung der Meinung, daß es sich bei "Scientology" um eine Vereinigung handelt, die den Leuten mit finsteren Methoden das letzte Geld aus der Tasche zieht ? Halten Sie Ihre Aktivitäten deshalb eher vor Ihren Nachbarn zurück, um nicht für kriminell oder verrückt gehalten zu werden ?  

Sie und wir wissen, wie es wirklich ist.

Der Grund, warum die Statistiken der "Scientology Kirche" so weit unten sind,  steht in

KSW 1 : " Keine Resultate"

Dies trifft nicht nur auf die "Scientology Kirche" Deutschland zu, sondern gilt weltweit. Mit freundlicher Genehmigung von Andreas Groß,
http://freierscientologe.netfirms.com/stats-cosi.htm
veröffentlichen wir nachfolgend eine Übersicht der Jahresstatistiken der FLAG Landbase in Clearwater/Florida. Die Zahl der im Jahr 2000 hervorgebrachten Clears ist niederschmetternd für eine Einrichtung dieser Größe. Für 2001 liegen die Zahlen noch nicht vor, sie dürften nochmals unter denen von 2000 liegen. 

   

im Jahr - Clears - - OT 6 - - die L’s -
1987 121 190 354
1991 276 260 725
1994 141 101 576
1995 123 112 591
1997 78 39 220
1998 57 86 159
1999 87 99 90
2000 38 52 106

 

Diese Zahlen sind ein Beweis dafür, daß "Golden Age of Tech" ("GAT") entgegen den vollmundigen Versprechungen nicht zu mehr qualifizierten Auditoren und damit zu mehr Clears geführt hat. Das Ziel eines geklärten Planeten ist weiter entfernt denn je, denn seit 1990 ist die Erdbevölkerung um eine weitere Milliarde von 5 auf 6 Milliarden angewachsen. Die fallende Statistik zeigt, daß sich das Problem dieser "Kirche" bald von selbst erledigt haben wird.

Diese Statistik erhärtet darüber hinaus den schon oft geäußerten Verdacht, daß "GAT" die Auditorenausbildung nur komplizierter, länger und teurer gemacht hat, so daß immer weniger Auditoren hervorgebracht werden. Wie mehrfach an anderer Stelle bereits belegt, wird "GAT" vom Management dazu mißbraucht, den autoritätsgläubigen Studenten Daten zu vermitteln, die nicht von LRH stammen und die die Tech damit zusätzlich in Richtung Unwirksamkeit verändern. Wir wissen von Auditoren, die ganz aufgegeben haben, weil die einzige Gewißheit, die ihnen vermittelt wurde, die war, daß sie es nie zur Perfektion schaffen werden. Sie erreichten keine höhere Sicherheit, sondern wurden nachhaltig verunsichert. Eine nicht geringe Zahl von "altgedienten" Auditoren verspürt großes Unbehagen, wenn sie feststellen, daß sie nachträglich zu Robotern umfunktioniert werden sollen. Bei dieser Art der "Perfektion" bleibt das ARK zwischen Auditor und PC auf der Strecke. Ein wirklicher Auditing-Kommunikationszyklus findet nicht mehr statt.  

LRH in KSW1 : "Keine Resultate ist das einzige, was Ihnen Studenten oder Preclears zum Vorwurf machen können. Schwierigkeiten treten nur dort auf, wo es keine Resultate gibt. Angriffe von Regierungen oder Monopolinhabern treten nur dort auf, wo es keine Ergebnisse oder schlechte Resultate gibt." 

Lassen Sie sich also nicht für dumm verkaufen, wenn Ihnen andere Gründe für die schlechten Statistiken genannt werden. Wie Sie oben nachlesen können, verwendete LRH das Wort "nur".

Es gibt also keine anderen Gründe. Es sind nicht die bösen SPs, es ist nicht die unterdrückerische Regierung, es ist nicht der hinterhältige Verfassungsschutz, es sind nicht die heuchlerischen Medien, es ist nicht die Mittelstands-PTSness der Bevölkerung, es sind nicht die vielen unentdeckten Overts draußen in der Gesellschaft,  es sind nicht die ängstlichen Publics, die zu wenig disseminieren,  es ist die "Kirche" selbst, die sich diese Schwierigkeiten erschaffen hat. 

Denn die "Kirche" liefert nicht das, was sie verspricht. 

Im HCOPL  10.9.82, Finanzserie 36, heißt es bei Austauschzustand 2: "Die Gruppe nimmt Aufträge oder Geld für Güter entgegen und liefert dann einen Teil oder eine verdorbene Version, von dem, was bestellt wurde. Dies wird 'über's Ohr hauen' oder 'Schulden machen' genannt, da sich die Gruppe immer mehr in Form von Dienstleistungen oder Gütern verschuldet." 

Dies ist die exakte Umschreibung dessen, was in den Orgs vor sich geht. Auch hier wissen Sie und wir, daß das die Wahrheit ist . 

Lassen Sie sich als Individuum nicht schuldig machen für diese Situation, indem man Ihnen vorhält, Sie würden zu wenig beitragen und müßten sich mehr engagieren. Machen Sie sich auch selbst nicht schuldig, indem Sie glauben, Sie müßten es für LRH tun. Selbst wenn Sie sich bis zur absoluten Erschöpfung für diese "Kirche" abrackerten, würde sich dennoch nichts ändern, weil die Grundstrukturen verfault sind. Einem Sprichwort zufolge stinkt der Fisch vom Kopf her. So ist es in dieser "Kirche". Ein kriminelles Management und eine veränderte Tech bewirken, daß das wertvolle Endprodukt fehlt. Das, was in der obigen Referenz großzügig als "über's Ohr hauen" bezeichnet wird, ist rechtlich das, was man Betrug nennt. Und so bestätigt sich für die Menschen ein weiteres Mal, was sie auf ihrer langen Zeitspur schon immer sahen, daß Hilfe doch Betrug ist. 

Die "Kirche" hat es immer hervorragend verstanden, andere dafür zu beschuldigen, wie es ihr selbst geht. Dies ging soweit, daß sie sich in ihrer Opferrolle mit den bei den Nazis verfolgten Juden auf eine Stufe stellen wollte. Glücklicherweise wurde das weltweit mit Empörung zurückgewiesen. Jeder Auditor lernt sehr frühzeitig, was es bedeutet, wenn ein PC andere beschuldigt. Es sind seine eigenen Overts, von denen er ablenken will. Glauben Sie ernsthaft, dieses Gesetz gälte nicht für die Herrschenden in dieser "Kirche" ?     

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Es folgt die Veröffentlichung einer Zuschrift, die ebenfalls eine gute Beschreibung der tatsächlichen Verhältnisse in der Kirche enthält und die ihr Augenmerk besonders auf der desolaten Auditorenausbildung hat. Wir bitten um Verständnis, daß wir auch diesen Beitrag kürzen mußten.  (Der Autor wünschte ungekürzt veröffentlicht zu werden, so sei es. - Anmerkung Andreas Groß):

Hallo,

und danke für Eure Rundbriefe, die ich erhalte, obwohl ich schon vor vier Jahren ausgetreten bin. Was keine Bitte sein soll, mich vom Verteiler zu nehmen. Ganz im Gegenteil:  Ich kann mich noch gut an die Zeit und den Zustand erinnern, in dem ich mich befand, als ich bemerkte, dass ich im Zweifel steckte. Und ich würde gerne meine Erfahrungen dazu kund tun, nicht zuletzt, um anderen in dieser Situation vielleicht ein wenig helfen zu können.

Hineingeschlittert in den Zweifel war ich durch die 1998 mit hohem Aufwand betriebene Aktion des “Scientologist Online”-Projektes. Ich sollte, so wurden diverse Org-Mitarbeiter nicht müde zu betonen, eine solche Site einrichten, und zwar so schnell wie möglich. Der Druck wurde verstärkt durch PTS-Anzeigen und die Aussage, dass meine Weigerung ans RTC berichtet werden müsste und mir ein Vorankommen auf den OT-Stufen sehr erschweren würde. Meine Ausbildung reichte zu diesem Zeitpunkt bis Klasse V, und ein paar Dinge hatte ich doch verstanden: So war meine Auffassung von Auditing – und Scientology im Allgemeinen –, dass  dieses in Richtung mehr Selbstbestimmung und Integrität führen sollte. Aufgezwungene Kommunikation tauchte des öfteren beim Heben von ARK-Brüchen auf und war sicherlich kein Instrument, das zu obigen Zielen führen könnte. Eine PTSness, wie sie mir angezeigt wurde, konnte ich im “Leben draußen” nicht ausmachen: Meine Firma expandierte, meine Familie blühte auf ...

Also musste eine versteckte Absicht hinter diesem Projekt stecken: Offensichtlich sollten bestimmte Sites im Internet nicht gefunden werden, indem die Suchmaschinen mit einer Vielzahl von Einträgen unter den offensichtlichen Stichworten gefüttert werden sollten. Dies wurde mir denn auch bestätigt. Es gäbe unterdrückerische Personen und Gruppen, die im Internet Lügen über Scientology verbreiteten. Die von der Org ausgehändigte CD sollte auf dem heimischen Rechner installiert werden und installierte einen Filter, der verhindern sollte, dass man diese Sites aufrufen kann: Ein Verhalten, das ich von Elternseite gegenüber ihren jungen Kindern, die man mangels Vertrauen in ihre intellektuelle Reife und moralische Mündigkeit vor einigen Erfahrungen schützen will, eventuell noch nachvollziehen kann. Innerhalb einer Gruppe, die sich die Wahrheitsfindung, die spirituelle Entwicklung und geistige Entfaltung auf die Fahnen geschrieben hat, sehe ich allerdings keinerlei Anlass und nachvollziehbare Begründung zu solchem Verhalten. Im Gegenteil: War dies nicht eher ein Anzeichen einer “schädlichen Absicht oder Handlung, gegen die man sich nicht wehren kann”? (siehe Definition von Unterdrückung.) Und war es nicht so, dass die Lüge im direkten Angesicht der Wahrheit keinen Bestand hat? Warum also die Lüge vergraben – es sei denn, es gäbe keine Widerlegung für sie, sie wäre also in Wirklichkeit die Wahrheit ...

Dazu stand ich kurz vor dem Punkt, das EP des Goldenen Zeitalters zu erreichen: Ich traute mich nicht einmal mehr, einen Assist zu geben, aus Angst, ich könnte etwas falsch machen. Denn ich wusste eines: ich war nicht perfekt. Die Checksheets des GAT (Golden Age of Tech) geben dies aber als Endergebnis an. Was ich im Kursraum beobachten konnte war das verkrampfte Einstudieren von Prozessanweisungen, stundenlanges Beantworten der ewig gleichen Fragen, um ohne Nachdenken auswendig Gelerntes von sich geben zu können. Doch war dies der Weg zur Perfektion? Ich schluckte ohne Rückfragen die Argumentation des RTC und fragte nicht nach den Referenzen, die sie dazu anführten. Was aber wollte LRH? Er definierte Perfektion als “akkurates Ablesen der Nadel bei Instant Reads” (Inhalt Tech Volume 62-64) oder “Kenntnis der Grundlagen, Perfektion bei den TRs, in der Modell Sitzung, beim Meter” (HCOBs 4.5.61, 26.4.62, 3.5.62).

Des weiteren bemerkte ich ein Zurückgehen der lebendigen Kommunikation bei so trainierten Auditoren. Wie soll man bei diesem Leistungsdruck auch entspannt bleiben; wo ist die Leistungskurve, das Herangehen an Gradienten, wenn jemand perfekte Assessments hinlegen soll (die man in der Regel auf Grad 3 oder 4 benötigt), bevor er einen einfachen Kommunikationsprozess (Grad 0) auditieren darf? Und dies, obwohl “Perfektion niemals auf Kosten der Kommunikation erreicht werden kann” (Kunst-Serie #1).
Interessanterweise war ein Tonbandvortrag vom Studentenhut gestrichen worden (“Ausbildung”), in dem LRH sich über Ausbildungssysteme lustig macht, die einen Studenten zwingen, alles auswendig zu lernen. Auf diese Weise würde man nur Roboter hervorbringen, die kein wirkliches Verstehen ihres Fachs erreichen könnten.

Und vor allem: Was war auf einmal so gefährlich am Auditieren? Wo war das Problem, sollte doch einmal ein Fehler auftreten? In einer entspannten Sitzungsatmosphäre können Auditor und PC doch, so hatte ich es früher gelernt, auf den Schutzmechanismus des Minds vertrauen – davon abgesehen, dass früher die Prämisse “Jedes Auditing ist besser als kein Auditing” in aller Munde war.

Bei mir verstärkte sich der Eindruck, das Goldene Zeitalter wäre ein Instrument zur Verhinderung von Auditing. Ich sah Co-Audit-Partner, die – nach vielen Jahren des Studierens endlich bei der Praxis angelangt – wieder gestoppt wurden. Internships wurden eingestellt, damit die Auditoren wie fehlerhafte Wagen in die Fabrik zurück gerufen werden konnten. Mit einem Unterschied: Bemerkt ein Autohersteller einen Fehler seinerseits, bessert er kostenlos nach. In der Kirche – trotz der übergeordneten Policy “Wir liefern immer, was wir versprechen” – wurden die Studenten erneut zur Kasse gebeten. Und auf Jahre gestoppt. OTs wurden abgewertet und erneut auf Programme geschickt, die sie bereits attestiert hatten.

Aber: “durfte” man dagegen protestieren? Um ehrlich zu sein: Ich habe mich nicht getraut. Jeder Protest wurde als Kritik ausgelegt, diese würde auf Overts deuten, und damit fände man sich beim E/O wieder. Ich machte weiter gute Miene – und frage mich heute, wie vielen es ähnlich ging.

Und irgendwann fiel es mir auf: Ich traute mich nicht, darüber zu kommunizieren. Was aber bedeutet dies? Ich war unflach auf Grad 0 (siehe C/S Serie 2: “Ein OT VI mit Problemen ist einfach ein unflacher Grad 1”). Und weiter: Wie vielen war es möglich, ohne extreme finanzielle Belastung genügend Sitzungen zu kaufen, um zumindest Clear zu werden? Die Meisten erschufen sich finanzielle Probleme beträchtlicher Größe. Sie konnten somit niemals flach auf Grad 1 werden. Ist es ok, sich Geld von Mitscientologen zu leihen, obwohl man keine Chance hat, es in absehbarer Zeit zurück zu zahlen? Oder darf man gegenüber “Wogs” unehrlich sein, um damit Brückenschritte zu finanzieren? (Solche Ideen hatte ich hier und da in Aktion gesehen, immer mit der Begründung, dies alles geschähe “zum größten Wohl der meisten Dynamiken”, und oftmals unterstützt in der Argumentation von beflissenen Registraren.) Nun, eine alternative Möglichkeit bei der Routine des Klärens von Overts besteht in der Frage “Warum war dies kein Overt?” Und genau dies geschah: PCs (egal, welchen Grad sie offiziell führten) wurden nie wirklich flach auf Grad 2. Es war in Ordnung, die Familie zu verlassen, wenn diese den Vater oder die Mutter auch einmal in der Woche für sich haben wollte (ARK-Brüche allerorten, Out-Grad 3). Und über allem stand das Service Faksimile “Nichts, was hier geschieht, ist out-ethisch, denn unsere Ziele sind hehr.”

Da stand für mich fest: Es gab in der Kirche keinen Weg, ehrlich und integer die Brücke hinauf zu gehen. Und so schaute ich mich im Internet dort um, wohin mir die Kirchenleitung den Weg versperren wollte, und fand zuerst die Site des “Freie Zone”-Vereins. Dort gab es einen historischen Abriss der scientologischen Bewegung von den Anfängen bis heute. Und auf einmal begannen sich die Nebel zu lichten. (Wen es interessiert: http://www.freezone.de/german/d_histor.htm)

Mittlerweile auditiere ich wieder. Und es macht Spaß. Meine PCs haben Gewinne, und ich selbst bewege mich auch. Meine Familie mag mich weitaus mehr als früher, denn ich habe auch wieder Zeit für sie. Und ich genieße diese Zeit ohne schlechtes Gewissen. Würde ich gefragt werden, ob ich wünsche, dass andere diese Gewinne haben, könnte ich dies nur lauthals bejahen. Und deshalb diese Mail.

Was mir Leid tut, sind die vielen bemühten, hingebungsvollen Mitarbeiter und Publics in den Kirchen, denen ihr Vorankommen versagt bleibt; die, wenn sie denn studieren dürfen, die offensichtliche Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis schlucken müssen. Irrte denn LRH, als er in KSW 1 die einzige Gefahr als “Versagen in der Anwendung” darstellte?

In der Mail, auf die ich hier antworte, wurde dem Leser nahe gelegt, sich von der Kirche zu trennen. Ich sehe das nicht als Bedingung, denn die Leute, von denen man sich damit trennt, handeln zum Großteil aus ehrlicher, rechtschaffener Überzeugung und Absicht.

Vielmehr fürchte ich, dass die Erfahrungen in der Kirche Viele in eine niedrige Condition bzgl. Scientology an sich und der eigenen Integrität gebracht haben.

Wer sich hiervon angesprochen fühlt, dem möchte ich raten, einmal bei sich aufzuräumen. Lest euch die grundlegenden Bücher wieder durch, schaut, worauf es wirklich ankommt. Wenn ihr euch nicht traut, zu kommunizieren, dann genehmigt euch einen unverschleierten Blick: Gibt es jemanden. der nicht will, dass ihr nicht hinaus greift? Gibt es Verbote von Co-Auditing? Werdet ihr zu Handlungen gezwungen, mit denen ihr nicht übereinstimmt? Und dann überlegt euch, ob dies wirklich eure Intergrität entspricht. Oder (so ungefähr, denn ich finde diese Referenz z. Z. nicht) mit den Worten von LRH: “Auditoren aller Länder, vereinigt euch – ihr habt nichts zu verlieren als eure Zertifikate”.

Ich selbst freue mich über jede Kommunikation. Und ich bin gerne bereit, zu helfen, ohne neue Probleme zu entfachen.

Dazu noch ein LRH-Zitat zum Schluss:
"Wenn man sich durch Kommunikation in ernsthafte Schwierigkeiten gebracht hat, sollte man dann nicht ganz auf die Kommunikation verzichten? Nein. Selbst wenn man sich durch Kommunikation in Schwierigkeiten bringt, sollte man weiter kommunizieren. Mehr Kommunikation – nicht weniger – ist die Antwort.“ (Dianetik 55)

Mit ehrlichem ARK,

Uli Bogun, Berlin

Bis bald !
Ihre Theta-Rundbrief-Redaktion

P.S. 
Unsere bisherigen Rundbriefe wurden alle auf der Website von Andreas Groß unter
http://freierscientologe.netfirms.com/hotinfo.htm 
veröffentlicht. Wenn Sie also frühere Ausgaben nicht erhalten oder versehentlich gelöscht haben, können Sie sie dort wiederfinden.