Ich habe beobachtet, dass unter den Scientologen ein Volkssport ausgebrochen ist:

Ethik-Lower-Condition Zuweisungen und Ausarbeitungen

(von Telse, Dezember 2003)
(untermauernde Daten finden sich in Änderung des Ethikbuches)

Und zwar untereinander, gegenseitig und natürlich auch sehr gern auf der 1. Dynamik selbst zugewiesen, bringt doch Spaß! ;-)

Nachdem ich die verheerenden Ergebnisse dieser neuen Sportart beobachtet habe, habe ich mir die Original-Referenzen über die Ethik-Conditions noch einmal angeschaut im grünen OEC Vol 0, herausgegeben 1969.

Ergebnis meines Studiums der Original-HCO-PLs:

1. Die Conditions werden sehr oft falsch angewendet!

2. Wichtige Daten zu den Lower-Conditons sind entfernt worden, falsche Daten hinzugefügt.

Die Schlüsselreferenz ist der HCO-PL vom 6.10.67, in der Ron genau beschreibt, für welche Personen er die Lower Conditions entwickelt hat, dies wird in dem Absatz „Condition of Treason“ deutlich: Originaltext:

„When one knowingly takes the pay or favours of a group’s or project’s enemies while appearing to be a friend of or part of the group or project, the Conditon is Treason.”

Auf Deutsch:
"Wenn man wissentlich Bezahlung oder Vorteile von den Feinden einer Gruppe annimmt, derweil man so erscheint, als sei man ein Freund oder ein Teil der Gruppe oder eines Projekte, ist der Zustand Verrat."

Ein anderer Begriff für bewußte und bezahlte Feinde ist Agenten.

Definition von „Verrat“ gemäß Duden:

"Bruch eines Vertrauensverhältnisses, Zerstörung des Vertrauens durch eine Handlungsweise, mit der jemand hintergangen, getäuscht, betrogen wird."

Definition von „täuschen“ gemäß Duden:

"Definition 1.a) jemanden absichtlich einen falschen Eindruck vermitteln...."

Definition von „Betrug“ gemäß Duden:

„Bewusste Täuschung, Irreführung eines Anderen.“

Rechtliche, hier aber auch zutreffende Definition von Betrug:

§ 263 StGB (Strafgesetzbuch):

(1) Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, dass er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Die Täuschungshandlung besteht in der Vorspiegelung falscher oder in der Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen.

Das heißt, einen Verräter/Feind will man auf gar keinen Fall in seinem Raum haben. Man würde ihn normalerweise einfach aus der Gruppe entfernen und - wenn möglich - der Strafverfolgung aussetzen. Denn ein Agent, der Scientology (ob Kirche oder Freie Scientologen) sabotiert ist immer auch ein Betrüger und kann gemäß dem obigen Paragraphen in den Knast werden. Auch eine Verurteilung zu Schadensersatz ist möglich.

Daher war den Agenten in der Scientology diese Conditon immer ein Dorn im Auge. Die wirklichen Feinde der Scientology haben uns bewusst in die Irre geleitet:

Im HCO-PL vom 23.10.67 „Enemy Formula“ „Find out, who you really are“ wird noch auf die Schlüsselreferenz vom 6.10.67 hingewiesen. Dieser Hinweis ist in neueren Ausgaben verschwunden!

Weiterhin verschwunden sind in der Revidierten Ausgab der Schlüsselreferenz vom 6.10.67 die Absätze über Treason und Enemy, und hinzugefügt wurde die Bezeichnung „Ausgabe II“.

Ich zitiere hier noch die fehlende Formel zur Handhabung von Verrat zu Eurer Information:

The formula for Treason Condition is:

1. Deliver a paralyzing blow to the enemies of the group one has worked against and betrayed.

2. Perform a self-damaging act that furthers the purposes and or objectives of the group one has betrayed.

3. Inform the group, project or org one has betrayed of one's previous betrayal and 1 and 2 above and petition each member for forgiveness.

4. Abide by their reaction or decision.

Im Unterschied zur natürlichen Reaktion einer Gruppe auf ihren Verräter bietet Ron also dem Verräter eine Lösung, wie er sich doch zu einem anerkannten und beitragenden Gruppenmitglied mausern kann.

Dies ist nicht nur überlebensfreundlicher für das ehemals verräterische Individuum, sondern auch für die Gruppe. Denn vormals hatte ein Agent, der Zweifel bekam, ob er nicht einen Scheiß-Job macht und eine unterstützendswürdige Gruppe bekämpft, keine wirkliche Chance die Fronten zu wechseln. Er wußte um den Haß der Gruppe gegen ihn und dass er daher gar nicht wechseln kann. Hier eröffnet Ron beiden eine Chance. Dies ist natürlich den Organisationen, die Scientology mittels Agenten unter Kontrolle bringen wollen, ein Dorn im Auge.

Später taucht die Referenz HCO PL 20.04.69 II „Hats not wearing“ auf, die aus folgendem nötig wurde:

Die bewussten Feinde der Scientology, die selbstverständlich eine Unterwanderung der Scientology anstreben, laufen leider nicht mit einem Etikett herum, wie z.B. „Psychiarter“ oder „Mitarbeiter der Pharmaindustrie“, "CIA", sie wird man daran erkennen, dass sie im Endeffekt sabotieren, natürlich auf 1,1, sehr versteckt, deshalb hat Ron diese Referenz nachgeschoben. Gemeint sind nach wie vor wirkliche Verräter per obiger Definition.

The formula for Treason is very correctly and factually, "Know THAT you are".

It will be found, gruesomely enough, that a person who accepts a post or position and then doesn't function as it will inevitably upset or destroy some portion of an org.

By not knowing that he is the _____________ (post name) he is committing treason in fact.

The results of this can be found in history. A failure to be what one has the post or position name of will result in a betrayal of the functions and purposes of a group.

Almost all organizational upsets stem from this one fact:

A person in a group who, having accepted a post, does not know THAT he is a certain assigned or designated beingness is in TREASON against the group.

Deutsche Übersetzung:

"Die Formel für Verrat ist ganz korrekt und tatsächlich „Wisse, DASS Du bist".

Man wird feststellen - und das ist abscheulich genug —, dass jemand, der einen Posten oder eine Position annimmt und dann nicht als derjenige fungiert, der diesen Posten oder diese Position hält, unausweichlich irgendeinen Teil einer Org durcheinander bringen oder zerstören wird.

Indem er nicht weiß, dass er der _______ (Postenbezeichnung) ist, begeht er in der Tat Verrat.

Die Ergebnisse hiervon lassen sich in der Geschichte finden. Ein Versäumnis, das zu sein, was die Bezeichnung des Postens oder der Position angibt, wird dazu führen, dass man Treubruch an den Funktionen und Zielsetzungen einer Gruppe begeht.

Fast alle organisatorischen Durcheinander stammen von dieser einen Tatsache her:

Eine Person in einer Gruppe, die - nachdem sie einen Posten akzeptiert hat -nicht weiß, DASS sie eine bestimmte zugewiesene oder mit einem bestimmten Titel gekennzeichnete Identität ist, befindet sich im Zustand von VERRAT gegen die Gruppe."

Das erscheint nur auf den ersten Blick eine Veränderung der Verratsdefinition zu sein. Ist es jedoch nicht. Man muß dabei bedenken, dass es zweierlei Verwendung der Ethik-Zustände gibt:

Die ursprüngliche Formel war durchaus bzgl. Ethik anwendbar. Der Agent, der in Zweifel bekam, konnte die Formel anwenden. Doch bzgl. Justiz weiß die Gruppe nicht jeweils, wer von wem bezahlt und beauftragt wurde. Da bedarf es einer anderen Vorgehensweise. Und da kommt die alte Sichtweise zu recht: "An den Früchten sollt Ihr sie erkennen!"

D.h. einer Gruppe muß es möglich sein, einen Verräter auch dann als solchen zu bezeichnen, wenn sie seine Auftraggeber nicht nachweisen können, aber wenn sein Handeln durchweg und konsequent derart destruktiv ist, "dass die Gegner dumm wären, ihn nicht dafür zu bezahlen." :-)

Nichts desto trotz muß man bei einer Verratszuweisung immer die ursprüngliche Definition im Auge behalten, die LRH nicht aufgehoben hat. Zumindest deswegen schon nicht, weil er nach wie vor den Begriff "Verrat" verwendet, der eben eine Wörterbuch-Definition hat (und auch einen strafrechtlichen Kontext!).

Es gibt also eine "Harmonie" von Zuständen, in denen jemand je nach Umfang seiner Overts (auch eine Unterlassung seinen Job zu machen ist gemäß dem gerade zitierten LRH-Text ein schwerer Overt) und auch im Verhältnis zu seinen Produkten (seinen guten Taten) entweder im oberen Conditonsbereich ist (zwischen Non-Ex und Power) oder im unteren (Belastung, Zweifel, Feind oder Verrat). Es ist bei der Justizanwendung sehr wichtig (aber auch bei der Ethikanwendung bei einem selbst), hier nicht das Kind mit dem Bade auszuschütten. Also nicht jemanden, der eigentlich gute Beiträge zur Gruppe leistet, wegen einem Flopp eine Lower Conditon zu zu weisen.

Beispiel einer Falschanwendung:

Ehemann: „Du trägst Deinen Hut als Ehefrau nicht, Du wolltest 5 mal nicht mit mir schlafen, bitte arbeite Verrat aus, Du wirst sehen, wie gut dir das tut!“

Die Ehe würde in diesem Moment durch diese Zuweisung nicht mehr existieren, sie ist durch diese Zuweisung unterhalb von Non-Ex geraten. Konsequenterweise müsste der Ehemann seine Ehefrau des Hauses verweisen, wenn sie eine Verräterin, eine Betrügerin ist: die logische Konsequenz ist eine Androhung der Ehescheidung.

Dagegen ist diese Situation ("Sex-Unlust") bequem mit den Conditions oberhalb von Non-Ex zu handhaben.

Beispiel für wirklichen Verrat/Betrug auf der 2. Dynamik:

Rummenigge hat 3 Jahre heimlich eine Geliebte und plant es bis ins Detail, wie er seine Familie hintergeht, sogar während des Familienurlaubs wohnt die Geliebte im benachbarten Hotel und liegt für einen Quicki bereit. Spezialanfertigungen von Brillis gehen an die Quicki-Frau anstatt an die Ehefrau und die vielen Töchter: Betrug!

Hier würde eine Conditonszuweisung "Verrat" Sinn machen. Die Ehefrau schmeißt ihren Mann aus dem Haus und droht eine Scheidung an, wenn er sich nicht per der Verrats-Formel herausarbeitet. Wenn er es nicht macht, ist es für die Frau auch sinnvoll, bei der Scheidung zu bleiben. Kein Verlust.

Ganz anders in einer funktionierenden Ehe, wo einer der Beiden dem Anderen wegen untergeordneter Fehler eine Lower Condtion zuweist. Bei Fehlern, die eigentlich keine Trennung legitimieren würden. Eine Lower-Conditonzuweisung bedeutet da eine unangemessenes Druckmittel, dass irgendwann nach hinten losgeht: Denn irgendwann wird es dem anderen zu bunt und er geht wirklich, statt den Kniefall erneut zu machen.

Mit diesem Volkssport „Lower Condition Zuweisungen“ werden Dynamiken zersprengt, denn es entsteht kein „Safepoint“, in dem wir expandieren können auf unseren Dynamiken, es entstehen keine dauerhaften Freundschaften, die durch dick und dünn gehen, wenn wegen jeder Kleinigkeit Verrat zugewiesen wird. Wir brauchen einen „Safepoint“, in dem Vertrauen wächst und unsere Spiele gedeihen können.

Das gleiche gilt für eine Organisation. In der Kirche dramatisieren im Grunde die Agenten und Verräter ihre Condition gegenüber den Scientologen aus, indem sie denen bei jeder Gelegenheit eine Lower-Conditon zuweisen. Diese Falschzuweisung wird meist geschluckt, weil man befürchtet, nicht wieder aufgenommen zu werden. Man hofft, durch einen Kniefall wieder ins gute Ansehen zu kommen, selbst wenn der Vorwurf sich "ein wenig überspitzt" anhört.

Nachdem man diese Erniedrigung ein paar mal am eigenen Leibe mitgemacht hat, beginnt man das an anderen auszudramatisieren: Man weist anderen Good Guys eine lower Conditon zu, wenn die mal Scheiß gebaut haben oder ihren Job nicht machten.

Dieser Volkssport ist noch extremer ausgeprägt in der Selbstzuweisung von Lower-Conditions, wenn „Kinckerlitzchen“ mit Verrat definiert wird. Wie wär’s zur Abwechslung `mal mit Emergency oder meinetwegen auch mit Danger in brenzligen Situationen?

Meine Beobachtung ist, dass einige Scientologen sogar von Gewinnen auf diesen unteren Conditons berichten. Das kann ich auch nachvollziehen, da ja schon auf etwas geschaut wird, das die Person verbessern will und dadurch natürlich auch As-is-ness stattfinden kann. Nur das ist in den meisten Fällen auch und besser mit den oberen Conditions handhabbar ohne vorherige Degradierung.

Im HCO-PL vom 14.03.68 „The following is the corrected table of Conditions” ist die unterste Condition Verrat, den Zustand Verwirrung gibt es in der Original-Referenz nicht!

Über eine Zuweisung des "Zustandes Verwirrung“ sind auch schon viele Thetane in die unteren Conditions gestolpert. Nicht jede Verwirrung bedeutet eine Lower Condtition. MUs, falsche Daten, Kontakt mit einem SP usw. können einen Thetan kurzfristig in Verwirrung bringen. Möglicherweise bearbeitet Hans durch einen Kontakt mit einem SP seine Büropost von 3 Tagen nicht, auf seinem Schreibtisch türmt sich die Post. Ein Schlauberger-„Freund“ sieht das: Ich helfe Dir, Deinen Schreibtisch aufzuräumen, angebracht ist die Handhabung „Verwirrung“ bzw. Referenz „Ordnung gegen Unordnung“, soweit so gut. Bis hier her hat Hans mit der Handhabung gute Gewinne gemacht und vertraut dem Freund.

Aber dann kommt der Hammer: next Step: Zuweisung des Zustandes Verrat.

Falschanwendung! Die Anweisungen aus der Referenz „Verwirrung“ sind gut, weil sie Hans wieder vom SP in die Gegenwart orientieren. „Ordnung gegen Unordnung“ ist eine gute Aktion, aber das alles hat nicht unbedingt etwas mit Verrat und Betrug zu tun.

Das wollte ich Euch mal mitteilen!

Das Leben wird viel lebenswerter, wenn in Familie und Geschäft nicht mehr das Damokles-Schwert der drohenden "Lower Conditon Zuweisung" über einem hängt.

"Und wenn es keinen Spaß bringt, dann ist es kein Scientology" [Diana Hubbard, Tochter von LRH]

Telse


Änderungsstand: 30. Juni 2004 - Copyright © 2004 by Andreas Groß, Schweiz
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